Ein Jahr Australien. In Zahlen ausgedrückt sind das 580 GB Filme und Fotos, davon befiden sich 1941 Fotos auf unserer Webseite.
37000km, pro Tag sind das im Durchschnitt 115 km.
37000 km hört sich erst einmal viel an, aber andere fahren diese Strecke in einem halben Jahr oder weniger.
Und wenn Gerhard so zurück denkt an die Zeit, als er mit Klaus - seinem Chef - zeitweise fast wöchentlich an den Bodensee gefahren ist, waren das - morgens runter, abends rauf - schon 600 km.
Für uns war das Tempo angenehm und wir wollten gar nicht schneller unterwegs sein. Es gab Tage mit einigen hundert Kilometern. An anderen wiederum gab es so viele Stopps und Fotos, dass wir nicht viel gefahren sind. Wir haben ja auch Wanderungen gemacht oder den ein oder anderen Regentag zum Bürotag in Emma erklärt, was ab und zu auch bitter nötig war, um mit den Bildern und dem Tagebuch wieder hinterher zu kommen.
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Als wir im Juni 2018 in Perth losgefahren  sind, hatten  wir keinen Plan.
Dass daraus doch fast eine Umrundung Australiens geworden ist, war wohl mehr Zufall.
Morgens wussten wir eher selten,  wo es an dem Tag hin geht und wo wir abends übernachten.
Da gibt es die Geschichte von Conrad in Mareeba. Conrad ist ein Pole, der schon lange in Australien lebt. Ihm war Emma aufgefallen und er hat uns spontan zu sich nach Hause auf einen Kaffee eingeladen.
Dabei gab er uns viele Tipps für die Atherton Tablelands, die er noch alle in eine kleine Karte eingezeichnet hat. Es war alles Mögliche dabei, von Käsereien über Campingplätze, zu Wasserfällen und Badeplätzen. Kaum 3 Wochen später hatten wir dann alles auch schon "abgearbeitet"...
Eine andere Geschichte ist die von der Kassiererin bei Aldi, die uns spontan auf die Rückseite des Kassenzettels aufgeschrieben hat, wo wir hin fahren sollen. Das haben wir natürlich gemacht und der kleine Nationalpark war wirklich sehr schön. Wir haben dort sogar Emus getroffen.

Auf diese Weise haben wir immer wieder Tipps von den Locals bekommen, mit denen wir ins Gespräch kamen. Sehr häufig war Emma dabei der Grund, warum wir angesprochen wurden.
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Wir wurden schon öfter gefragt: Was war das schönste an Australien?
Unsere klare Antwort: Wir hatten in dem ganzen Jahr 3 Termine: 1. Die Fähre nach Tasmanien, 2. die  Fähre zurück zum  mainland, 3. Abgabe Emma.
Ansonsten hatten wir Freiheit an jedem Tag und konnten immer sehr spontan entscheiden.

Australien ist ein großartiges Land, leider gehen die Australier teils nicht sehr pfleglich damit um.
Es heißt ja immer : Australia the lucky country.  Uns kamen da manchmal schon gewisse Zweifel.
Gerade im Hinterland spürt man immer wieder eine gewisse Traurigkeit, wenn man an Orte kommt, deren beste Zeiten schon lange vorüber sind. Der Grund dafür ist häufig ein Boom gewesen. Man hat irgendwelche Bodenschätze entdeckt und eine Mine gebaut. Arbeiter, Häuser, Geschäfte und die gesamte Infrastruktur kamen hinzu. Irgendwann war die Mine dann erschöpft und das war es dann. Die jüngeren Leute ziehen ab und suchen sich woanders Arbeit. Von den ganzen Geschäften bleibt meist nur ein IGA und ein Op Shop übrig.  

Wir waren trotzdem lieber im Hinterland unterwegs, abseits der Touristenpfade. Man kann dort viele schöne Landschaften und Orte entdecken und man ist weg von dem ganzen Trubel, der an den touristischen Hotspots herrscht. An der Ostküste wollte Angelika einmal wieder ans Meer zum Baden. Wir mußten ein ganzes Stück fahren und suchen, um überhaupt einen Parkplatz zu bekommen. Das war dann eher nichts für uns. Es gab zwar ein kurzes Bad im Meer, aber dann sind wir auch gleich wieder in einsamere Ecken geflüchtet.

Ein weiterer Nachteil der touristischen Gegenden ist, dass die Campingplätze oft schon im Voraus gebucht werden müssen. Asonsten bekommt man keinen Platz. Und sie sind natürlich auch sehr teuer dort.
Gerhards Spruch: Eigentlich wollte ich auf dem Campingplatz übernachten, ich wollte ihn nicht kaufen.
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Und dann kommt man zurück nach Hause und ist eigentlich irgendwie erstaunt darüber, dass alles schon vorüber ist. Man denkt, dass man noch einige Zeit auf diese unbeschwerte Weise weiterleben kann.
Aber kaum betritt man in seine Wohnung, warten schon  die ersten Aufgaben.
Unsere "Postmasters"  - die Regers  - haben eine Berg Papier für uns: die Post von einem Jahr.
Hinter jeder Zimmer- und Schranktür wartet irgendetwas, das sagt: "da müßtest Du mal ...., räume mich auf..,hier herrscht keine Ordnung...."
Ein paar Termine müssen auch wieder ausgemacht werden: Zahnarzt, Augenarzt, Friseur usw.

Dann holen wir Emma in Basel ab und räumen sie komplett aus.
Das ein oder andere braucht jetzt auch Platz, weil es erst mal in Emma nicht mehr gebraucht wird. Leider ist der Keller schon mehr als voll und so geht es erst einmal ans Ordnen, Sortieren  und Ausmisten.
Der Rhythmus des Lebens ist hier hier anders: morgens mit der Sonne aufstehen und abends wenn es dunkel wird ins Bett gehen, das funktioniert hier in Nürnberg nicht so gut...
In Australien sind die Tage auch viel kürzer als hier.
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Viele Leute glauben auch, dass uns die große Hitze hier nun gar nichts mehr ausmacht, weil wir ja in Australien waren und dort ist es ja heiß. Das stimmt so nicht. Es ist keineswegs immer und überall heiß. Wir haben zeitweise auch ganz schön gefroren.
In Australien haben wir immer außen gelebt. Hier leben wir im Haus und die Hitze erschlägt uns genauso, wenn man rausgeht. In Sachen Kälte sind wir unempfindlicher geworden.
Einer der großen Hitzewellen in Australien sind wir dadurch aus dem Weg gegangen, dass wir entlang der Great Dividing Range gefahren sind. In den höheren Lagen ist es dann natürlich auch etwas kühler. Wir hatten auch einmal einen Tag mit 43 Grad. In der Nacht ging die "Abkühlung" nur bis 31 Grad. Die nächste Hitzewelle haben wir auf der Nullarbor erlebt. Es war auch noch recht windig und die Campingplätze an den Roadhouses sind nur Staubplätze neben dem Highway. Da sind wir  dann ins Motel mit Klimaanlage geflüchtet.

Was gibt es sonst noch? Angelika beschäftigt sich mit Ihrer Zukunft, spielt Djembe und übt auch ein bisschen Gitarre
Gerhard übt jeden Tag auf seiner mittlerweile 50 Jahre alten Gitarre namens Gisela und spielt fast jeden Tag 1 Stunde Didgeridoo.

Jeden Tag wird auf unserer Terrasse abends etwas auf unserem Aussie Grill gebrutzelt.
aussie grill
Was uns fehlt, sind die vielen Vögel und besonders das Lachen des Kookaburra und das Flöten der Magpies.
Mittlerweile gibt es die beiden ja in unserem Garten und auch noch einen Pelikan dazu.  Leider sagen die nichts.  Da muss man wohl nochmal einen kleinen Lautsprecher einbauen...
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Wir zehren auf alle Fälle noch von den schönen Erinnerungen und Eindrücken von dem Jahr in diesem wunderschönen Land. Wir haben viele nette Leute kennengelernt und viele wunderbare Orte besucht.
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Wir würden es auf jeden Fall wieder tun:

Mit dem eigenen Auto in Australien, das ist das Größte.